Fachvortrag des Miesbacher Architekturforums mit Professor Ulrich Holzscheiter zum Thema “KI in der Stadtplanung” im Weyarner Klostersaal.
Es war ein Zukunftsthema in altehrwürdigem Gemäuer: Der Pfarrsaal des Klosters Weyarn war Schauplatz eines spannenden Vortragsabends: Eingeleitet von einer herzlichen Begrüßung durch den Weyarner Bürgermeister Leonhard Wöhr sprach Professor Ulrich Holzscheiter, renommierter Architekt und Stadtplaner, sprach auf Einladung des Architekturforums zum Thema “Stadt- und Landbaukunst in Zeiten von Künstlicher Intelligenz“.
Der Referent beleuchtete die Chancen und Risiken, die der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) für kreative Prozesse, für die Stadtplanung und für die Baukultur mit sich bringt. Dabei knüpfte er an die Begrüßungsworte des Vorstands Werner Pawlovsky an, der betont hatte, dass sich das Architekturforum bewusst nicht nur mit der Baukultur im eigenen Landkreis, sondern auch mit den großen übergeordneten Fragen unserer Zeit beschäftigt.

Holzscheiter verwies in seinem bildreichen Vortrag auf internationale Städtebauprojekte, bei denen Strukturen und Funktionen maßgeblich von Algorithmen entwickelt wurden. Daraus leitete er die zentrale Frage ab, ob KI nicht nur organisieren, sondern sich auch tatsächlich einer Ästhetik annähern könne.
„Kann KI überhaupt Gestaltung?“, so seine hemdsärmelige Formulierung. Die Antwort sei vielschichtig: Zwar verfüge die KI über umfassende Daten zu guter und schlechter Gestaltung, doch kenne sie die philosophischen Feinheiten des Schönen nur indirekt. Sie meide den Begriff „Schönheit“, da dieser zu vielschichtig sei, und folge einfachen Modellen, die das Gute mit dem Einfachen im Sinne einer ästhetischen und wissenschaftlichen Tradition nicht immer ganz richtig gleichsetzen. Trotz aller beeindruckenden analytischen Fähigkeiten fehle der KI das menschliche Gewissen – soziale, emotionale und ethische Werte ließen sich nicht maschinell ersetzen. Die Frage, ob KI zu moralischen Entscheidungen fähig sein könne, werde in Fachkreisen entsprechend kontrovers diskutiert.

Carolin Mayer-Nowak, zweite Vorsitzende des Forums, rekapitulierte den Vortrag für sich betonte, dass es kein einfaches Rezept im Umgang mit KI gebe. Sie sprach sich dafür aus, KI bewusst und verantwortungsvoll zu nutzen – etwa als Mittel zur Erweiterung des Wissensaustauschs zwischen Planerinnen und Planern. “Wie bei großen technischen Fortschritten zuvor, vom Taschenrechner bis zum Internet, bleibe am Ende der Mensch entscheidend: mit seinem Verstand, seiner Emotionalität und seinem Gewissen, egal wie akribisch man die KI ‘füttern’ möge”, so die Architektin.

Die Veranstaltung bot den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern wertvolle Denkanstöße zu einem der großen Themen in unserer Zeit. Bier und Brezn lieferten wie gewöhnlich die nötige Energie für die rege Diskussion im Anschluss, für stimmungsvolle – und ganz analoge – Zwischentöne sorgte an diesem Abend wieder Helena Glockner an der Harfe. Die Berufsmusikerin hat in Würzburg Harfe studiert – und ist mittlerweile ein so fester wie hochgeschätzter Bestandteil der regelmäßigen Vortragsabende des Architekturforums.

